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The Time of my Life

von Gwenaelle Hanhart

Der Gedanke, nach abgeschlossener Berufslehre zur Staudengärtnerin EFZ und anschliessender Berufsmatura ein Jahr ins Ausland zu gehen, war nichts Neues, als ich mich im Winter 2014/15 bei Agrimpuls gemeldet habe. Nach Neuseeland sollte die Reise führen, am liebsten auch dort in eine Gärtnerei. Umso grösser war dann aber die Vorfreude, als ich nach einem reibungslosen Organisationsprozess Ende Juli 15 ins Flugzeug steigen konnte. Weder Visa noch Arbeitsplatz, Unterkunft oder Flüge musste ich bis dahin selber organisieren, was eine unglaubliche Entlastung darstellte. In Neuseeland wurde ich direkt am Flughafen von Rural Exchange New Zealand (RENZ) abgeholt, der Partnerorganisation von Agrimpuls. Sie chauffierten mich direkt zu meiner Gastfamilie, wo ich mich anschliessend zwei, drei Tage einleben konnte.

Das mit der Gastfamilie war bei mir etwas anders als bei den meisten anderen Praktikanten /-innen in Neuseeland, da ich in einer Gärtnerei arbeitete aber in einer Wohnung bei einer davon unabhängigen Familie wohnte. Die Wohnung war an und für sich aber sehr toll, da sie wie ein Anbau ans eigentliche Haus der Familie war. Dadurch hatten wir – zwei Schweizerinnen und eine Deutsche – wie eine eigene WG für unsere Zeit dort. Dies ermöglichte mir auch, mit einer anderen Schweizerin, die am selben Ort wohnte und arbeitete wie ich, ein gemeinsames Auto zu kaufen und eigentlich fast alles mit ihr gemeinsam zu unternehmen. Das war sehr praktisch, denn ein Auto ist zumindest auf der Südinsel Neuseelands ziemlich essentiell.

Ich arbeitete also von August bis Ende März – also ziemlich genau 8 Monate – in einer Gärtnerei, etwa 15 Minuten von Christchurch entfernt. Die Arbeit war tendenziell eher anspruchslos und einfach. Eigentlich suchte ich einfach den ganzen Tag Pflanzen für Bestellungen zusammen, putzte diese und bereitete sie für den Versand vor. Manchmal war ich auch noch mit dem Saubermachen und Aufräumen der Gärtnerei oder dem Topfen von Jungpflanzen beschäftig. Sehr selten durfte ich sogar in der Vermehrung der Pflanzen helfen gehen. Das war sehr toll, da die Gärtnerei so gut wie alle ihre Pflanzen von Klein auf selber vermehrte! In der Schweiz kenne ich das so überhaupt nicht mehr, da wir hier in der Baumschule, in der ich zuvor arbeitete und die Ausbildung gemacht habe, so gut wie gar nichts mehr selber vermehrten.

Mount Cook und Lake Pukaki, New Zealand Roys Peak, Wanaka, New Zealand Alles in allem gefiel mir die Arbeit für die acht Monate Christchurch sehr gut. Die Leute die in der Gärtnerei arbeiteten, waren ebenfalls sehr nett und es war einfach, sich seinen Platz im Team zu finden. Abgesehen von uns drei Schweizern und der Deutschen, arbeiteten auch noch diverse andere Saisoniers aus aller Welt bei dieser Gärtnerei – eine gute Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen. Auch hatten wir jedes Wochenende frei, konnten so weg gehen und die wunderschöne Umgebung erkunden. Denn wunderschön ist dieses vielfältige Land auf der anderen Seite der Welt zweifellos.

Mit der unberührten Wildnis der Südinsel, den Grossstädten auf der Nordinsel, bilderbuchgleichen Vulkangebieten, schneebedeckten Bergen, traumhaften Sandstränden, kristallklarem Meerwasser, rauen Rafting-Flüssen und den für Neuseeland so typischen, märchenhaften Farnwäldern, bietet dieses gerade mal viereinhalb Millionen Einwohner starke aber unglaublich gastfreundliche Land wirklich für jeden Besucher etwas.

Nach meinen acht Monaten Arbeiten, reiste ich noch einen unvergesslichen Monat durch ganz Neuseeland, schaute mir auch die Nordinsel noch an, bevor ich schliesslich Abschied nahm und von Auckland nach Sydney flog. Doch nicht direkt nach Hause, nein, ins ziemlich viel grössere Nachbarland Australien führte meine Reise und wurde dort drei weitere Monate fortgesetzt. Diese verbrachte ich ausschliesslich damit, Australiens Ostküste und den Süden zwischen Adelaide und Melbourne zu besuchen. Mit einem gemieteten Van durchquerte ich mit einer Schweizer Kollegin erneut unbeschreibliche Landschaften, sah die verrücktesten Dinge und die beispiellose Schönheit von Australiens wunderbarsten Seite.

Auch dieses Land liess mich nicht nur einmal sprachlos zurück, brachte mich immer und immer wieder zum Staunen. Es ist einfach unglaublich, was es alles zu entdecken gibt, wenn man sich nur einmal von zu Hause abwendet und an unbekannte Orte reist! Und letztendlich war es nicht nur die Schönheit der anderen Seite der Welt, sondern auch die Freiheit, Unabhängigkeit und Abenteuerlust, die ein solcher Auslandaufenthalt einen fühlen lässt. Das Wissen, irgendwie alles tun zu können, was man schon immer tun wollte, sich fernab von zu Hause ein neues Leben aufbauen zu können, an einem Ort, an dem dich niemand kennt. An dem du ein neuer Mensch werden kannst oder auch einfach dich selbst. Wo du dich neu finden kannst aber auch deine Zukunft neu auslegst. Wo dich Sehnsucht und Heimweh genauso oft finden wie Fernweh und Frieden. Aber Letzterer dir am Ende immer bleibt.

Die beste Entscheidung meines Lebens.

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