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Australien – mein zweites Zuhause?!

von Florian Staubli

Nach anfänglichen Schwierigkeiten und Phasen mit Heimweh, dass vermissen der Freunde, Familie und den Bergen wurde Australien mehr und mehr zu einem neuen Zuhause für mich. So hatte ich vor meinem Heimflug am Flughafen in Melbourne mehr das Gefühl in die Ferien zu fliegen anstatt nach Hause. So kann ich mit Freude und zugleich Fernweh auf eine absolut geniales Jahr zurück schauen mit vielen neuen Freunden, Eindrücken und Erfahrungen fürs Leben. Ich würde so etwas sofort wieder machen und kann es nur allen weiterempfehlen/anraten so etwas einmal im Leben zu erleben.

Doch erst einmal von vorne anfangen. Ich bin am 20. Feb. 2016 mit einer grossen Freude aber auch mit einer grossen Ungewissheit in das Flugzeug nach Perth gestiegen, die westaustralische Hauptstadt. Die ersten 3 Wochen habe ich bei einer Gastmutter verbracht und habe die Sprachschule besucht. Dies war eine super Zeit um das Land und die Leute ein wenig kennen zu lernen, ausserdem hat es super Spass gemacht neue Freundschaften zu knüpfen mit Leuten aus aller Welt. Ebenso konnte ich an den Wochenenden bereits mit Klassenkameraden die näheren Touristenattraktionen wie zum Beispiel die Rottenest Island erleben. Dies war für mich eine super Zeit und wie Ferien, zu dieser Zeit realisierte ich noch nicht, dass ich ein wenig länger hier bin als nur ein paar Wochen.

Dann jedoch war es soweit ich nahm von meinen neuen Freunden und Gastmutter bereits wieder Abschied und reiste 500 km nördlich auf die Farm von R&C Ford in Binnu WA. Rohan bewirtschaftet gut 3000ha Ackerfläche welches Weizen, Raps und Lupinen waren. Aller Anfang ist schwer kann ich euch nur sagen, ich hatte einen ziemlichen Kulturschock. Die unendlichen Weiten, totale Einsamkeit (60km bis zum nächsten Pub) und staubtrockener Boden das ich mir fast nicht vorstellen konnte das hier jemals etwas wachsen würde. Ebenfalls war für mich die Australische Essensmentalität eine ziemliche Umstellung, denn dies kann heissen das Mittagessen kann jederzeit zwischen 11:30 und 15:00 oder im schlimmsten Fall gar nicht stattfinden. Doch mit dem Sähbeginn Ende März hatte ich mich so gut es geht eingelebt und arbeitet fast jeden Tag zwischen 10-15h am Tag oder auch in der Nacht. Denn um die 3000ha in 6 Wochen anzusähen musste die Sähmaschine 24h/7 Tage die Woche gefahren werden. Unterbrüche gab es nur bei Reparaturen oder Regen. Es war eine super interessante aber auch sehr strenge und belastende Zeit. Trotz allem hat es sich gelohnt und ich kann nun mit Freude und Stolz erzählen ich habe ein 400ha grosses Feld angesäht, den dies war das grösste Feld auf der Farm.

Nach der Seedingseason(Saatsaison) jedoch war es ziemlich relaxed so konnte ich arbeiten wann und wie viel, so wie ich wollte. Der Chef hat mir offiziell erklärt, «du kannst arbeiten und dann wieder ein paar Tage frei machen um wieder Geld zu verdienen um danach wieder frei machen zu können». Dies hatte ich zuvor noch nie von einem Chef gehört aber ich wusste dies zu schätzen. So hatte ich eine Woche frei um einen Roadtrip in Western Australien zu machen, ebenso konnte ich einen 9 Tagetrip nach Bali machen mit Freunden die ich in der Sprachschule kennen gelernt habe. Doch dann Anfang August habe ich mich von Rohan und Carol Ford verabschiedet, denn ich hatte mich für eine zweit Platzierung entschieden, weil ich einfach noch etwas anderes Sehen wollte, aber auch weil ich mit meinem Chef während dem Sähen einige negative Erfahrung machen musste, weil er die Arbeitsbelastung und den Druck mit Alkohol bekämpfte. Dies ist leider ein sehr trauriger Eindruck von Australien, denn das Land leidet sehr stark unter Alkoholikern und Drogenabhängigen, vielleicht gerade auch wegen der hohen Einsamkeit auf dem Lande. Auf mein Wunsch hat IRE die australische Partnerorganisation von Agrimpuls mir einen neuen Praktikumsbetrieb an der Ostküste organisiert.

Nun hatte ich 5 Wochen Zeit um meine neue Farm ,in Echuca in Victoria ca 3,5h von Melbourne entfernt, zu erreichen. In dieser Zeit konnte ich den australischen Kontinent in meinem eigenen Auto, das ich mir gekauft hatte, von West nach Ost durchqueren. So bin ich in dieser Zeit knapp 10’000km meistens allein umhergereist. So habe ich alle Staaten ausser Northern Territory und Tasmanien betreten, bin in allen grossen Städten gewesen ausser Cairns, Alice Springs und Darwin. Diese Zeit war für mich eine absolutes Highlight des Jahres. Dennoch war ich froh Mitte September die Farm von Michael und Eliza Ayres in Patho VIC erreicht zu haben, denn nach dieser Zeit war ich froh wieder an einem Ort Sesshaft zu sein.

Somit hat nun mein letztes Kapitel in diesem Abenteur angefangen. Michaels Farm ist komplett anderst als Rohans. Die meisten Maschinen waren alt ( jüngster Traktor 5000h) und sein Land war weit zerstreut, bis zu 3,5h fahrzeit mit dem Auto. Er hatte quasi mit nichts angefangen. Nun bewirtschaftet er etwa eine Fläche von 1500ha wovon ca 1000ha Weizen, Gerste und Raps sind. Der Rest ist Weidefläche für seine 400 Schafe oder für Hafer um Heuballen zu machen. Diese Region war sehr vielseitig im Umkreis von 100km konnte ich alles finden von Kartoffeln, Gemüse, Trauben, Reis, Getreide sowie Schweine, Milchkühe, Mutterkühe, Masthühner, Legehennen und vieles mehr. Es ist wirklich alles mögliche an verschiedenen Farmen anzutreffen. Wo ich ihn Westaustralien praktisch nur Getreidefarmen und evt. noch Schafe angetroffen habe in der Region von meiner Farm. So war auch ein Hauptgeschäft von Michael die Quaderballenpresse. So haben wir ca 350ha Gras gemäht und noch ca 200ha im Lohn wovon wir das meiste auch selber gepresst haben. So hatten wir ungefähr 7500 Quaderballen gemacht wovon ca 4000 unsere eigenen waren. Diese haben wir dann an lokale Michfarmen verkauft oder auch eingelagert um später in den Export zu geben z. Bsp. nach Asien oder in die Arabischen Länder. So war ich cirka 2 Monate mit mähen, schwaden, pressen und auch Ballen sammeln und abtransportieren beschäftigt. So war der Amerikanische Truck der Marke Kenworth mit dem Sattelanhänger schon fast mein eigenes Fahrzeug. Lastwagenfahren in Australien war eine geniale Erfahrung so kam ich bei meinen Heulieferung auch immer wieder mit verschiedene Bauern in Kontakt, was für mich eine absolute Bereicherung war. So hatte ich einige sehr spannend Gespräche und war sehr überrascht wievil manche Farmer wussten über die Schweiz, so hat mir z. B. ein Milchfarmer erzählt er möchte unbedingt einmal an die Swiss Expo in Lausanne gehen da wären die besten Kühe der Welt. Zum Schluss meiner Zeit haben wir mit der Getreideernte begonnen Anfangs Dezember. So verbrachte ich die letzten paar Tag auf dem Mähdrescher. Leider musste ich dann die Familie Ayres bereits am 22 Dezember 2016 verlassen bevor die Ernte fertig war. Dies war eine grosse Enttäuschung, aber leider hatte ich andere Verpflichtungen in der Schweiz. Ebenso war die Ernte ca 3 Wochen im Rückstand auf Grund des nassen Wetters im September.

Zum Schluss kann ich sagen, ich wurde in Victoria absolut glücklich und fühlte mich zu Hause, ich war sehr traurig und wollte eigentlich nicht zurück in die Schweiz gehen. Ich habe mich mit einigen Farmern angefreundet und hatte sogar eine feste Arbeitsstelle offeriert bekommen. So kann ich sagen diese 10 Monate waren eine absolut geniale, nicht immer einfache, aber sehr erfolgreiche Erfahrung und ich würde es jedem jungen Landwirt sehr nahe legen nach Möglichkeit einmal eine gewisse Zeit im Ausland auf einer Farm zu arbeiten, denn auf dem eigenen Betrieb zu arbeiten kann man noch den ganzen Rest des Lebens.

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